Mensch vor Gewinn auch im Gesundheitssystem

Immer weniger junge Ärzte wollen auf dem Land praktizieren. Die kommunalen Kliniken schreiben bayernweit hohe Defizite und wie es mit dem Kreiskrankenhaus weitergeht, steht in den Sternen. Gesundheitsversorgung auf dem Land, bedeutet das in Zukunft: weite Wege und lange Wartezeiten? Der Allgemeinarzt und ÖDP-Kreisrat Dr. Stefan Skoruppa schilderte die Lage und stellte Lösungsansätze vor.

Die Lage im Landkreis sei derzeit keineswegs dramatisch, besorgniserregend aber die sich abzeichnende Entwicklung. Und je später gegengesteuert werde, umso schwieriger und kostspieliger sei eine Kurskorrektur.

Die momentane Problemlage der kommunalen Gesundheitsversorgung im Landkreis legte der erst kürzlich zum Vorsitzenden im ärztlichen Kreisverband gewählte Referent mit Zahlen und Statistiken dar:

  • Die Bevölkerung in Deutschland ist eine der ältesten weltweit, und sie wird immer älter. Damit steigt auch der Behandlungsbedarf.
  • Kassenärzte arbeiten im Durchschnitt 50-60 Stunden pro Woche, um den Bedarf decken zu können.
  • Das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte im Landkreis ist mit ca. 55 Jahren hoch
  • Es werden zu wenige Ärzte ausgebildet Ärzte suchen immer häufiger Anstellungen in Teilzeit (bei einem Frauenanteil von inzwischen über 60%)
  • Immer weniger junge Ärzte wollen auf dem Land praktizieren. Die kommunalen Kliniken schreiben bayernweit hohe Defizite (Das Defizit der Ilmtalklinik Pfaffenhofen (220 Betten) ist mit 4,5-5 Mio für 2019 noch moderat und sollte für einen der wohlhabendsten Landkreise Deutschlands durchaus leistbar sein)
  • Betten je 1000 Einw. 2,0 (Durchschnitt in Bayern: 5,9)

Als konkrete Lösungsansätze für eine gerechte Gesundheitsversorgung in der ländlichen Region schlug Dr. Stefan Skoruppa folgende Maßnahmen vor:

  • Kooperation des Landkreises mit den medizinischen Fakultäten in München, Augsburg und Regensburg
  • Ausbau von öffentlichen Gebäuden zu Arztpraxen/Arztwohnungen und zweckgebundene Vermietung zu erschwinglichen Preisen.
  • „Gesundheitstage für medinische Fachberufe“ an der Ilmtalklinik zur Anwerbung von Ärzten und Pflegekräften als Jobbörse (Werbung in Presse und direkt an den Universitäten mit Unterstützung durch das KUS)
  • Verpflichtende Praktikumswochen für neue Assistenzärzte der Ilmtalklinik in ambulanten Arztpraxen. Dadurch besseres Zusammenwachsen zw. ambulanter und stationärer Medizin.
  • Falls trotz aller Bemühungen für Praxen kein Nachfolger gewonnen werden kann, dann Erwerb der Arztsitze durch den Landkreis und Einbringung in ein kommunales MVZ (medizinisches Versorgungszentrum). Keinesfalls in Konkurrenz zu den verbliebenen niedergelassenen Ärzten. Jedoch Verhinderung des Aufkaufs durch private Kapitalgesellschaften (s. Helios Kliniken etc.)
  • Enge Abstimmung der Kommunalpolitik mit dem ärztlichen Kreisverband.
  • Verbesserung der Kommunikation unter der Ärzteschaft im Rahmen des ärztlichen Kreisverbandes. Alle ziehen an einem Strang und dienen der Gesundheitsversorgung der Bürger, ob stationär oder ambulant.

Lesen Sie hier den Zeitunsbericht vom Donaukurier

Foto: Zurek Donaukurier


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