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Schwerer Abschied

Zeit meines Lebens (ich bin 1949 geboren) war es für mich ganz selbstverständlich, mental auf der Seite der USA zu stehen. Ich bin im „kalten Krieg“ aufgewachsen – da gab es nur zwei Seiten und die „andere“ Seite war furchterregend. „Wir hatten Glück“ sagten alle Erwachsenen rund um mich herum: Von „den Amis“ besetzt zu sein eröffnete nach 1945 alle jene Chancen, die mit den Begriffen „Demokratie“ und „Wohlstand“ verbunden waren und es immer noch sind.

Es war auch Dankbarkeit dabei: Als ich selber begann mir Gedanken über Raum und Zeit zu machen, wurde mir klar, dass die Befreiung Deutschlands und Europas vom Nationalsozialismus ohne die USA nicht gelungen wäre. Ohne Niederlage des NS-Regimes, wäre ich in eine triumphierende, unmenschliche Diktatur hineingeboren worden.

Die Fehler der USA – der Vietnamkrieg, die vielen Unterstützungsakte für Diktatoren, der Rassismus – griffen mein positives Amerikabild natürlich massiv an. Ganz auflösen konnten sie es nicht: In den USA selbst, wurden ja diese Fehler immer hart kritisiert, es gab dort eine freie Opposition, eine Bürgerrechtsbewegung – Vorteile, die es anderswo in der Welt nicht immer und überall gab. Die Demokratie schien in der „Führungsmacht des Westens“ immer zu funktionieren.

Es fällt schwer, den jetzt sichtbaren, anhaltenden Verfall der USA zu beobachten. Der kalte Krieg ist zwar vorbei, aber die „Alternativen“ Russland und China schrecken immer noch und mehr denn je ab. Es bleibt nur eine Lösung: Europa muss sich selbst und seinen eigenen „Way of life“ ernst nehmen und aktiv pflegen. Die mir gewohnte „Führungsmacht“ gibt es nicht mehr.

Bernhard Suttner


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