ödp-Pressemitteilung zum Bürgerentscheid am 23.Oktober in Pfaffenhofen:

Am 23. Oktober sind alle Pfaffenhofener aufgerufen, über die Errichtung von drei Windrädern bei Förnbach abzustimmen. Die ÖDP Pfaffenhofen hofft, dass möglichst viele Bürger von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen, damit die Entscheidung auf einer breiten Basis steht. Wir empfehlen, dem Ansinnen zuzustimmen, damit diese Investition in die Zukunft unserer Stadt und unserer Kinder realisiert werden kann.

Das Problem des Klimawandels und der negativen Folgen für den Menschen wird das Leben der kommenden Generationen prägen. Dabei dürfen wir nie vergessen, dass der Kampf gegen den Klimawandel nicht nur selbstloser Naturschutz und damit ein vermeintliches Luxusproblem ist, sondern blanker Eigenschutz. Die Natur wird weiterexistieren, das Klima momentan ist nur günstig zum Gedeihen der Spezies Mensch, weshalb wir uns dieses tunlichst erhalten sollten. Denn momentan sieht es, wenn man sich die Weltlage vor Augen führt, nicht gut aus. Wir leben in einer Zeit in der wenige immer mehr und viele immer weniger haben. Bei all dem werden unsere Lebensgrundlagen, das heißt unsere Natur, zerstört.

Einige möchten in den Himmel wachsen, viele ersticken im Müll, sie kämpfen mit Dürreperioden um ihre Ernten oder ertrinken in den Fluten der Klimaveränderung. Aber der Himmel gehört uns allen auf der Welt, und es geht nicht, dass die reichen Länder mit ihren Abgasen und dem auf „ewiges“ Wachstum ausgelegtem Wirtschaftssystem die Zukunft unseres Planeten aufs Spiel setzen. Wir müssen die himmlischen Energien, Sonne und Wind nutzen, damit kommende Generationen nicht die Hölle haben auf Erden. 

 "[...] Ich lade dringend zu einem Dialog ein über die Art und Weise, wie wir die Zukunft unseres Planeten gestalten. Wir brauchen ein Gespräch, das uns alle zusammenführt, denn die Herausforderung der Umweltsituation, die wir erleben, und ihre menschlichen Wurzeln interessieren und betreffen uns alle“, das schrieb Papst Franziskus im letzten Jahr in seiner Umwelt-Enzyklika. Was wir brauchen, ist ein Wohlstand ohne Gier, der in Kreisläufen wirtschaftet, der klar unterscheidet zwischen Zukunftsfreundlichkeit und Zukunftsfeindlichkeit. Die Energiewende muss weiter gehen für uns und kommende Generationen. Die Energiebilanz aus 19 Städten, Märkten und Gemeinden im Landkreis ist dazu eine Bestandsaufnahme und ein Aufgabenkatalog, was zu tun ist, für ein zukunftsfähiges Leben in unserer Heimat. Wir sehen uns in unseren Streben im Einklang mit Papst Franziskus, wenn er schreibt: „Die Menschheit ist aufgerufen, sich der Notwendigkeit bewusst zu werden, Änderungen im Leben, in der Produktion und im Konsum vorzunehmen, um die Erwärmung oder zumindest die menschlichen Ursachen, die sie hervorrufen und verschärfen, zu bekämpfen.“ Ferner unterstützen wir auch seine Aufforderung zum Dialog. Man darf bei allem Ringen um den Erfolg in der Abstimmung nie vergessen, dass wir alle auch danach noch miteinander leben müssen. Die Debatte um die Windkraft darf hier nicht dieselbe Schärfe erhalten, die sie andernorts teilweise bekam, wo nun Dörfer nicht miteinander reden und einzelne gemobbt werden. Lasst uns über Argumente sprechen und nicht über persönliche Bereicherung spekulieren oder Ängste lächerlich machen. Jeder soll im demokratischen Entscheidungsfindungsprozess Gehör finden. Daher haben auch wir die Argumente der Gegner sorgsam geprüft und abgewägt. Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber sie dennoch letzten Endes fundiert getroffen und sind bereit, sie mit Überzeugung zu vertreten.

Viele fragen, weshalb gerade Deutschland und weshalb gerade Pfaffenhofen vorangehen soll, wenn doch Amerikaner und Chinesen einen viel größeren Teil der Emissionen stellen. Die Frage ist doch eher: Wieso nicht? Was kann es schaden, an der Spitze des technologischen Fortschritts zu stehen, die Anlagen, die die Menschheit zum Überleben braucht, im eigenen Land weiter zu entwickeln und dem Rest der Welt zu zeigen, dass es funktioniert? Sollen wir einst als die in Erinnerung bleiben, die die Möglichkeit hatten, eine sich anbahnende Katastrophe zu verhindern und diese nicht genutzt haben? Zugegeben, das sind starke und pathetische Worte, aber die Situation, in der sich die Menschheit befindet, ist keine einfache. Wir stehen am Scheideweg und es wäre mehr als geboten, dass Pfaffenhofen die richtige Abzweigung wählt. Wir sollten nicht nur uns feiern, weil wir das Privileg haben, in einer solch lebenswerten Umgebung zu leben, sondern wir sind verantwortlich dafür, dass nicht nur unsere Heimat, sondern der gesamte Erdkreis lebenswert bleibt. Wenn die Erderwärmung voranschreitet, werden viele Bäume ums Überleben kämpfen und der Wald sieht sich viel gravierenderen Gefahren ausgesetzt als die Eingriffe durch den Bau der Windräder.

Sind diese Windräder tatsächlich die Höllenmaschinen, als der sie in mancher Publikation im Internet dargestellt werden? Sachlich betrachtet ist ein Windrad eine Infrastruktureinrichtung, mit der wir in die Natur und das Landschaftsbild eingreifen, genauso wie mit Gewerbebauten, Umgehungsstraßen oder einer Hochspannungsleitung. Der Unterschied ist, dass ein Windrad unseren CO2-Ausstoß reduziert, während die meisten anderen Infrastruktureinrichtungen, wie Kohlekraftwerke oder der steigende Verkehr mit Verbrennungsmotoren, die Klimaveränderung anheizt. Ein einziges Windrad (4,2 MW Leistung und ca. 9 Mio. Kilowattstunden (kWh) pro Jahr) erspart unserer Atmosphäre 4.500 Tonnen CO2 pro Jahr bzgl. des derzeitigen Stromerzeugsmixes, das bedeutet einen Klimaschutzeffekt von etwa 40.000 Bäumen. Oder anders gesagt – das ist etwa die Einsparung von 900.000 Liter Heizöl pro Jahr die wir nicht importieren/kaufen müssen. Kostenlose Energie allein aus Windkraft. Nur die Technik kostet etwas und schafft Arbeitsplätze. Die Erzeugungskosten liegen bei 7 bis 9 Cent pro kWh, damit kann die Anlage finanziert und abbezahlt werden. „Warum zahlen wir dann 25 bis 28 Cent/kWh?“, werden Sie mit Recht fragen? Dazu verweisen wir auf die große Koalition und die Weichenstellung unseres Wirtschaftsministers zusammen mit den Energiekonzernen, die eine zentrale Energieversorgung mit Kohlekraftwerken favorisieren. Kohlekraftwerke erzeugen etwa 40% des Deutschen CO2-Ausstoßes, sie sind eine zukunftsfeindliche Technologie mit der wir die Zukunft unserer Kinder verheizen. Gehäufte Jahrhunderthochwasser und Ernteausfälle auf der Welt, werden auch vor unserer Heimat nicht Halt machen. Wem nützt es also, wenn wir keine Windräder bauen? Den Ölscheichs und den alten Energiekonzernen. Wir importieren in Deutschland für 80 - 100 Mrd. Euro Energie pro Jahr - wohl gemerkt - jedes Jahr. Geld, das fehlt bei der Bildung und für Soziales an Kindergärten, Schulen und Krankenhäuser. Jahr für Jahr. Die regionale Energiewende durch Bürgerenergiegenossenschaften hält das Geld in der Region.

Die Energiewende mit regenerativen Energien aus der Region ist unsere Verpflichtung gegenüber kommenden Generationen.  Mit  25 – 30 Windrädern, von denen bereits 10 stehen, können wir 30 – 40% des Strombedarfs von 450 Millionen kWh im Landkreis decken. Keine Frage, Sonne und Wind sind fluktuierend, das heißt nicht immer verfügbar. Für eine Vollversorgung brauchen wir noch Biomasse- und Gaskraftwerke zusammen mit grünem Wasserstoff und Biomethan zur Energiespeicherung aus Elektrolyse- und Methanisierungsanlagen, die man mit Überschussstrom aus Sonne und Wind betreiben kann. Ferner kann Energie als Kälte oder Wärme sowie in Batterien in Autos und Häusern gespeichert werden. Technologien, die bereits vorhanden sind!

Und selbst wenn die Windräder eines Tages von besseren Technologien überflügelt werden, was wäre verloren, wenn sie überflüssig würden? Windräder hinterlassen keinen strahlenden Müll, unter dem noch Generationen leiden werden. Nein, sie können komplett abgebaut und entfernt werden. Wie groß ist also das Risiko?

Alle, denen ernsthaft etwas an der Erhaltung der Natur liegt, laden wir ein, uns in unserem Kampf gegen eine Verlegung der B13 durch den Förnbacher Forst zu unterstützen, denn wenn diese realisiert würde, dann wäre der Wald wirklich ruiniert.

 

Doch bis dahin, stimmen Sie zuerst mit „Ja“! Für unsere Umwelt, unsere Kinder und unsere Zukunft.

Ludwig Gaßner            Richard Fischer

1. Kreisvorsitzender           2. Kreisvorsitzender

 

 

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